line_top
Logo JackpotBaby

WWW.JACKPOTBABY.DE

NEUE DIGITALE POPKULTUR
banner oben
line_top

WIE DIE GEMA JETZT AUCH CLUB-PLAYS AUSWERTEN MöCHTE
MONEY LEFT TO BURN
guido, Juli 31, 2006 - Abgelegt unter: Der ganze Rest, Musik

Das ist so geil. Die GEMA (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte) haut nach fast sechzig Jahren ihres Bestehens folgendes Statement raus:
“Wir gingen sehr lange davon aus, dass das Programm in den Diskotheken identisch mit dem Programm aus dem Radio ist” (Hans-Herwig Geyer, GEMA-Sprecher in München). Gefunden in diesem Artikel der Frankfurter Rundschau.
Wie realitätsfern wird denn da vor sich hin gearbeitet?
“Theoretisch soll die GEMA dafür sorgen, dass Autoren und Interpreten promt und gerecht dafür entlohnt werden, wenn ihre Werke öffentlich aufgeführt werden. Praktisch hat sich die GEMA aber eine selbst kontrollierte Struktur verpasst, die Musiker in drei verschiedene GEMA-Mitgliedsklassen und Musik in ‘Ernsthafte’ und ‘Unterhaltung’ aufteilt, womit eher der GEMA-Status als die Abspielwirklichkeit entscheiden, wie viel jemand vom Kuchen bekommt. Der GEMA-Apparat verschlingt zudem einen erklecklichen Teil der erzielten Einnahmen selbst.” (DE:BUG 3/06 S.31)

Meines Wissens sieht das bisher so aus, dass Clubbetreiber für ihre Veranstaltungen zwar Gebühren an die GEMA abführen müssen, es aber bei der Aufteilung dieses Geldes keinerlei Rolle spielt, welche Künstler dort wirklich vom DJ aufgelegt wurden. Ob Britney Spears oder Justine Electra – für die GEMA völlig schnurz.
Nachdem dieses Missverhältnis jetzt anscheinend endlich bemerkt werden konnte (”wollte”?), werden nicht etwa Playlisten bei den Clubs angefordert und ausgewertet, ähnlich wie seit Jahren bei Radio-Airplays geschieht. Nein.

Die GEMA hat gemeinsam mit Media Control ein System entwickelt, welches in 100 repräsentativ ausgewählten Clubs steht und Teile (!) des DJ-Sets mitschneidet. Diese Mitschnitte werden dann durch blosses Abhören ausgewertet. “Wer die Experten sind, die sich mit den Mitschnitten aus den Clubs befassen, wollen weder Media Control noch Gema verraten (…) ‘ Die Media-Control-Experten sind langjährige Musikspezialisten, die sich immer wieder Schulungsprozessen unterziehen, und natürlich greifen wir auf unser breites Networking zurück, wie Labelmanager, Produzenten, DJs sowie Radiomoderatoren und diverse Recordstores.’”

Innerhalb eines Jahres konnten so 6484 Werke von den GEMA-”Experten” erkannt werden.
Zum Vergleich: Während eines sechsstündigen DJ-Sets spiele ich erfahrungsgemäss ca. 100 Titel. Hochgerechnet und über den Daumen gepeilt machen fast 6500 Stücke knapp 65 Clubabende.
Auf ein Jahr Testphase verteilt, deutschlandweit.
Dazu fällt mir nur noch Kettcar ein: “Money left to burn”.

 

9 Kommentare »

  1. [...] (via Jackpot Baby) [...]

    Pingback von Nerdcore - A Blog about very cool Stuff. Und so., August 1, 2006

  2. Naja, eigentlich alle Clubs zahlen pauschal, kompensiert wird – vergleichsweise bescheiden und im Kontrast zu konzertanten Musikern, die ihre eigenen Stücke präsentieren – über Plattenabverkäufe. Ich kenne aber auch wirklich niemanden, der für jedes Set Playlisten einreichen will.

    Will die Gema übrigens auch nicht. Es besteht schlicht kein Interesse Künstler im U- oder elektronischen Bereich anteilig zu kompensieren. Das wäre nämlich Geld, dass bei der E-Musik und den etablierten Kirmesmusikanten fehlen würde. Und davon nicht einmal wenig.

    Alt und gut:

    # Urheberrechtsausgleich oder Subventionssteuer?
    (Peter Mühlbauer, 09.05.2001)
    Teil 1: Wie die Verwertungsgesellschaften ihre Einnahmen verteilen
    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/7/7586/1.html

    # Urheberrechtsausgleich oder Subventionssteuer?
    (Peter Mühlbauer, 11.05.2001)
    Wie die Verwertungsgesellschaften ihre Einnahmen verteilen Teil 2:
    Die Stichprobe
    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/7/7597/1.html

    Kommentar von jo, August 2, 2006

  3. [...] (via jackpotbaby) [...]

    Pingback von Is klar.. auf Missis Notizblock, August 2, 2006

  4. Nicht nur das die GEMA hier tatsähclich lange an der Realität vorbeigelebt hat, auch der Lösungsansatz wirkt hier nicht gerade sehr praxisgerecht.

    Kommentar von The Big Easy, August 2, 2006

  5. [...] gefunden bei Nerdcore.de via Jackpotbaby.de GEMA [...]

    Pingback von » GEMA Schwachsinn…, August 2, 2006

  6. [...] werden können, wie Guido bei Jackpot Baby! schreibt, aber höchstwahrscheinlich gibt es extrem gute Gründe das so zu machen wie es gemacht wird. Vielleicht aber hat die GEMA auch einfach nur zu viel Geld bei gleichzeitig zu vielen Abhängigkeiten. [...]

    Pingback von Die aktuelle Verachtung » Blog Archive » GEMA Bier holen, August 2, 2006

  7. [...] Mehr dazu hier… ///  2. August 2006  ///  Misc, Klang, Nachtleben  ///   [...]

    Pingback von Multiple Extase » Willkommen in der Wirklichkeit, August 2, 2006

  8. wenn du die GEMA und ihre dummheit hasst, leg sie doch einfach mal ein paar Wochen/ monate lahm. das ist ziemlich einfach und wird dir eine menge spass bereiten. gemäß § 10 des Urh WG sind die GEMA-Mitarbeiter VERPFLICHTET dir auskunft zu erteilen, welcher Song und welcher Interpret von der GEMA vertreten wird und welcher nicht. stell deine anfrage in vorbereitung auf eine MÖGLICHE ÖFFENTLICHE party. du möchtest natürlich nur sicher gehen, dass alles korrekt ist. die anfrage stellst du, weil die GEMA recherche auf der website leider nur auszüge anbietet. du möchtest nämlich aufgrund der GEMA Auskunft entscheiden, welche songs du spielen wirst und welche nicht. ;) dann sendest du eine 20 seitenlange titel und interpretenliste, am besten auf karopapier ausgedruckt per post, an die bezirksdirektion, die für deinen wohnort zuständig ist oder für geizige: eine mail mit dem anhang als unveränderbares pdf. so müssen die damen und herren nämlich alle songs u.s.w. von hand in ihren rechner hauen. und bei tausenden von titeln kann das dauern…. diesen tipp gibst du noch allen deinen freunden und die ihren freunden und dann kümmert sich da bald keiner mehr um was anderes. als mögliche titellisten eignen sich die playlists von internetradios übrigens. aber wichtig!! es muss per post oder wenigstens als unveränderbare pdf versendet werden.

    Kommentar von skywalker, März 28, 2009

  9. Leider traegt die GEMA zu einer dramatischen kulturellen und sozialen Verarmung der Gesellschaft bei,die unverantwortlich ist. Besonderst betroffen sind kleine bis mittlere Gaststätten und Lokale auch ländliche Bereiche ,die gerne für ihre Gäste Geselligkeit Tanz und Lebensfreude und Entspannung bieten würden.Leider hat die Gema solche unverschämten Geldforderungen bei Veranstaltungen die in keinem Verhältnis zu den Einahmen vieler Gastronomen stehen Weiterhin wird die undurchsichtige Verteilung der Gema und ihren Verwaltungsapperat von vielen kritisiert. Man sollte dem Veranstalter noch genug Spielraum lassen um kulturelle Einlagen bezahlen zukönnen. Das Resultat wäre ,viele kleine Tanzveranstaltungen mit Kapelle ,Band, allein Unterhalter oder Discothek. Genau das Richtige um Entspannung und neue Kraft zu tanken , Spass an der Musik und der Geselligkeit?. Der Tanz und die Geselligkeit war schon immer etwas besonderes,ein Ausgleich für viel Stress und Verdrossenheit. Es zählt mit zu den besten Jahren in unserem Leben.
    Abschliessend noch eine ausgesprochene Formulierung der Gema die alles über diese sagt und keinen Kommentar benötigt.
    Zitat:?Der Zweck der GEMA ist es nicht, Kultur in dem Sinne zu fördern, dass sie verpflichtet wäre, andere Kulturschaffende oder Kultureinrichtungen, etwa Veranstalter, zu fördern, sondern sie ist dafür da, so viel Geld wie nur möglich für ihre Mitglieder zu beschaffen!

    Wir sind gegen diese Art Gema die nur die Fähigkeit besitzt anderen viel Geld abzunehmen
    Wo die Kultur und der Spass an der Musik und der Geselligkeit auf der Strecke bleibt.!!

    Kommentar von unterhalter ,discos, November 16, 2009

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel. TrackBack URI

Einen Kommentar hinterlassen

Powered by WordPress