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RADIO
WOZU EIGENTLICH DEN ZüNDFUNK RETTEN?
guido, April 19, 2006 - Abgelegt unter: Der ganze Rest, Pop

indie for hell

Zündfunk, das ist eine Jugendsendung beim Radiosender Bayern 2. Ausgestrahlt in den frühen Abendstunden, on air bereits seit 1972. Die Sendung zeichnet sich durch eine Themen- und Musikwahl aus, die weitab der täglichen Hörerunterforderung vieler anderer Radioangebote im Freistaat liegt. Doch nun wirds dem Zündfunk an den Kragen gehen.
Der Bayerische Rundfunk plant die Ausstrahlung eines Jugendradio-Vollprogramms und die Umstrukturierung von Bayern 2 ab 2007. Ob und wo da noch für das bisherige Zündfunk-Format Platz ist, darüber schweigen die Verantwortlichen bislang. Drum entstand in den letzten Tagen hauptsächlich im Internet eine kleine Protestwelle von Zugeneigten und Hörern.
Doch wozu soll der Zündfunk überhaupt gerettet werden?
Ich bin dafür, Platz für etwas neues zu schaffen.

Der Zündfunk ist ein Saurier aus den Urzeiten deutscher Radiokultur. Etwas vergleichbares kenne ich nur noch aus meiner Zeit im Speckgürtel von Berlin, das Programm hiess “SFBeat”, und mit dem war Ende der Achtziger Schluss. Daraus enstanden sind “Radio 4U”, das wunderbare und 1992 eingestellte Jugendradio des SFB, und später per Zusammenschluss mit der ORB-Jugendwelle Rockradio B das bis heute sendende Radio Fritz!
Wer heute den jugendlichen Fritz!-Hörern statt ihrem gewohnten Vollprogramm die Rückkehr des SFBeat anbieten würde, hätte seinen Sendeauftrag verfehlt und würde hundertpro auch eine unangenehme Protestwelle auf sich ziehen, die das niedliche Aufmucken der Zündfunk-Fans durch handfeste Strassenaktionen weit in den Schatten stellen könnte.
Ob etwas ähnliches wie Fritz! unter einer CSU-Regierung möglich wäre, ist natürlich fraglich. Es ist jedoch nicht gesagt, dass mit der Abschaltung des Zündfunks auf Bayern2 das Angbot für die hochkulturell beleckteren Bayern schlechter werden muss (den Zündfunk gibts ja schliesslich auch). Obwohl die Chancen eher klein scheinen. Man schaue sich da nur MDR-Sputnik oder N-Joy vom NDR, beides Öffentlich-Rechtliche Dudelspasssender für Jugendliche, an.

Ganz wichtig auch: Wer gegen eine Ausstrahlung eine BR-Jugendradios über DAB (teure Empfangsgeräte, kaum einer besitzt eines) argumentiert, treibt die Zündfunk-Idee ins Grab, statt sie zu unterstützen.
Ganz einfach deshalb, weil ein über UKW ausgestrahltes Jugendprogramm einem ganz anderen Quoten- und somit Erfolgsdruck unterliegt als ein Spartenradio in einer Ausstrahlungsnische. Die Chance, von den Verantwortlichen beim BR ein eher anspruchsvolleres Programm zu bekommen, liegt höher, wenn es nur auf der DAB-Senderskala untergebracht werden muss. Eine UKW-Frequenzkette kostet viel Geld, muss es auch wieder reinbringen (denn auch gebührenfinanzierte Sender kriegen den Hals nie voll genug und strahlen Reklame aus) oder soll zumindest die Hörerzahlen der Privatradios in Schach halten – keine Ahnung warum, aber es ist Fakt.
Im Klartext heisst das: UKW=Massenkompatibilitätszwang=Zündfunk tot.
Und falls das neue Jugendradio tatsächlich nicht über UKW-Frequenzen ausgestrahlt werden sollte, wird es doch dafür ganz sicher im Kabel und übers Internet empfangbar sein. Die Jammerei über eine angebliche Nicht-Empfangbarkeit ist also fehl am Platz.

Liebe Protestler und Zündfunk-Unterstützer: Lasst das geplante öffentlich-rechliche-Jugendradio Bayerns digital senden, dann habt Ihr wenigstens eine kleine Chance darauf, das zu erhalten, was Euch lieb ist.

Eine Ausweitung des Programmbetriebs mit wenigen Mitarbeitern und gleichbleibenden Inhaltsschwerpunkten auf 24 Stunden wäre mit ein wenig Flexibilität kein Problem. Läuft halt mehr Musik, rotieren gute Beiträge eben mehrmals über den Tag verteilt. Würden so auch von viel mehr Leuten gehört werden.
Dass das funktioniert, macht Motor FM (die Radiokonserve aus der Kiste) in Berlin vor. Über dessen Qualität darf man zwar streiten, aber stellt Euch mal vor, unter den gleichen Bedingungen würde statt Susi Super und Co die Zündfunk-Crew am Werk sein. Wäre das nicht wunderbar?

Und sollte es tatsächlich zum Äussersten kommen, der Zündfunk im Dezember seine letzte Sendung haben und im Anschluss eine Art “Bayern Funkid-Radio” den Betrieb aufnehmen, wäre alles halb so schlimm.
Sogar die Freunde des Zündfunks hören nur noch sporadisch zu.
Aus Österreich strahlt FM4 weit ins bayerische Land hinein, über Kabel und Satellit sendet Fritz! (über ARD Digital) auch in bayerische Haushalte, und von der Vielfalt des Internets möcht’ ich gar nicht erst anfangen. Wenn es denn heutzutage überhaupt noch ein Radioprogramm sein muss.

Okay, für die jetzigen Mitarbeiter des Zündfunks tut es mir Leid und ich hoffe, dass sie (wie so viele Mitarbeiter von ARD-Anstalten vor ihnen) weich aufgefangen werden.

Lest dazu auch:

“Der Zündfunk wird plattgemacht? Prima!”

“Zündfunk in Gefahr”

Zündfunk-Retten/Blog

 

7 Kommentare »

  1. Wenn Du schon MotorFM als positives Beispiel zitierst, dann sollte man auch Tim Renners Brief an den Hörfunkchef des BR von vor zwei Tagen zitieren:

    “Genauso wie ich Ihnen in der Erkenntnis dass Bayern noch einen Jugendsender braucht zustimme, weiß ich als Radiomacher und Musikproduzent, daß DAB leider für eine adoleszente Zielgruppe noch lange keine tragfähige Sendeplattform darstellt. Wenn überhaupt werden Handygestützte Transmissionsformen wie DVB-H und DMB den Jugendlichen erreichen, zur Anschaffung eines DAB Geräts wie Evoke 1 bewegt man eher “Grown Ups” wie das positive, englische Beispiel gezeigt hat.”

    Der Zündfunk auf UKW war 30 Jahre kein Mainstream. DAB-Empfänger für 200 Euro wird sich niemand für eine unbekannte Jugendwelle kaufen.

    Kommentar von Patrick Gruban, April 20, 2006

  2. Du hast meinen Artikel nicht richtig gelesen!

    Es braucht sich kein Mensch ‘nen DAB-Empfänger zu kaufen. Das BR-Jugendradio wird, das machen die anderen ARD-Anstalten mit ihren Programmen vor, “… ganz sicher im Kabel und übers Internet empfangbar sein. Die Jammerei über eine angebliche Nicht-Empfangbarkeit ist also fehl am Platz.”
    Ausserdem wäre gerade eine UKW-Abstrahlung ein absehbarer Schritt in eine Mainstreamwelle: “UKW=Massenkompatibilitätszwang=Zündfunk tot.”
    Es kommt mir immer mehr so vor, als wollt Ihr UKW-Frequenzen haben, statt den Zündfunk retten.

    Was Herrn Renner betrifft – lasst in Bayern frei werdende Frequenzen besser nicht unbeaufsichtigt.

    Kommentar von Guido, April 20, 2006

  3. ein anderes problem, was der zuendfunk hat ist auch, das er seine eigentliche zielgruppe, die jugendlichen nicht erreicht im bayern2-ghetto. eine eigene jugendwelle koennte schon was werden. auch auf ukw denke ich. sollen sie von mir aus den halben tag zeugs wie das ding senden, wenn sie dann in der abendschiene hochwertige redaktionelle beitraege und live-mitschnitte bringen.

    Kommentar von hike, April 20, 2006

  4. Z…

    In der FAS von gestern schreibt Harald Staun: “Der einzige Kanal, um den man sich in der Redaktion der …

    Trackback von sherpa.twoday.net, April 24, 2006

  5. Ausgezeichnet, Guido. Wo haste das Bild her?

    Kommentar von Deef, April 26, 2006

  6. Collage made by Nico

    Kommentar von guido, April 27, 2006

  7. Was ist das denn für eine kaputte Argumentation?
    Wenn der Zündfunk erhalten bleiben soll, soll er auf DAB senden und die Zündfunkmitarbeiter entlassen werden?

    Schätze du hast irgendwelche Rechnungen mit dem Zündfunk offen. Anders kann ich mir diesen Fahrt-zur-Hölle-und-Grüße-an-alle-Text nicht erklären.

    Deinen tollen Vergleichssender Radio Fritz! habe ich mir schon über Satellit angehört. Das kann man ja wohl nicht ernsthaft mit dem Zündfunk vergleichen. Na ja, dem einen gefällt Arsch-Hip-Hop dem anderen nicht. Da gibt’s dann auch wenig kulturelle Brücken. Schätz VIVA und MTV sind auch nach deinem Geschmack, vor allem seit diese Plappertussi Charlotte Roche weg ist und mehr Sendeplatz für Pimping da ist.

    Kommentar von Schraube, April 29, 2006

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