| SDNMT INTERVIEW 2. TEIL |
| WENN NIEMAND GENAU WEIß, WO OBEN UND UNTEN IST |
| nico, Januar 16, 2006 - Abgelegt unter: Musik |
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Ich hab ein wenig damit auf mich warten lassen, aber nun ist es schließlich da. Der zweite Teil des großen SDNMT-Interviews. Und dann doch wieder pünktlich zum Start der Sinnbus-Tour. So ist das im Fanzinerleben. Immer zu spät und doch immer genau richtig. Am Anfang sind noch alle ernst bei der Sache und irgendwann löst sich das ganze dann in Halbwissen auf. Was ich gerade beim Zusammenkürzen dann doch so amüsant fand, dass ichs beim besten Willen nicht herausnehmen wollte. Der erste Teil findet sich zum Einstieg hier und dann steigen wir heute unvermittelt ein: Wie entsteht bei euch Musik? Martin: Es ist wahnsinnig unterschiedlich. Einige Lieder entstehen aus dem Sound heraus. Es sind manchmal einfach Harmonien, die zuerst fertig sind. Daraus entsteht dann ein Song. Nicht selten passiert das innerhalb einer Probe. Und dann gibts Songs, die über Monate immer wieder modifiziert werden. Flo: Und der erste Song zum Beispiel, From Hero to Zero�”, da war zu Beginn nur dieses Gesangssample. Und dann haben wir innerhalb von zwei Proben, einen Song daraus gemacht. Martin: Flo hat dann irgendwann dieses wahnsinnig geile Bassriff darüber gespielt. Und alles war klar. Anfangs hatte der totale Verschiebungen und wahnsinnig merkwürdige Wechsel, 6, 7 und 9 und so. Und dann wurde er während der Proben gerade gemacht. Habt ihr besonderes Interesse an einer analogen Fehlerhaftigkeit? Sucht ihr das? Weil man das ja vermisst bei Digitalität, weil es immer so glatt ist. Kann man das sagen? Habt ihr da irgendwie Interesse dran? Oder ist es einfach nur, weil es interessanter klingt? Martin: Es ist meiner Meinung nach eine Entscheidung für ne gewisse Ästhetik. Also für eine gewisse Soundästhetik, die das Lied nicht beeinflussen soll, die wie ein Instrument benutzt wird, auch oder gerade weil digital produziert wird. Der Albumtitel If you juse this software often buy it spielt ja auch mit diesem �”public domain�” und creative commons�”-Gedanken. Habt ihr da auch was am Hut mit, oder wo kommt der Name her? Martin: Der kommt wie viele unserer Titel aus dem Beobachten heraus. Wir lesen oft Dinge im Alltag, die irgendwo stehen. Die dann Assoziationen mit sich ziehen. Es gibt sicherlich auch Bezüge zum open-source�”-Gedanken. Aber diese Sache, hat jetzt explizit nichts damit zu tun. Es ist einfach ein Satz, der ziemlich oft bei gecrackter Musiksoftware steht, wenn man die öffnet. Die Moralische Versicherung der Cracker. Martin: Ein bekannter Satz, einfach auch aus einer Beobachtung heraus genommen. So, wie die Musik auch eine Beobachtung für mich ist. Die Musik entsteht daraus und so entstehen die Texte. Es steckt kein politisches Ziel dahinter. Aber es ist politisch. Netzpolitik. Martin: Bei unseren Titeln verwenden wir es eher als Sample statt als Statement. Der Titel kam ja auch auf mehreren Wegen zustande. Es ist so ein Brocken, der uns eben auffällt, der auch relevant ist. Wir wollen da absichtlich nicht wirklich konkret Stellung zu beziehen. Matthias: Freunden von uns, die Videokunst in Bremen studieren, stellen wir unsere Lieder zur Verfügung und sie nehmen sie für ihre Videos. Sowohl Musik als auch Video beschreiben Dinge und Momente. Fragwürdiges. Dinge für die es keine Patentlösung gibt, die noch nicht zu Ende gedacht sind und werden können. Genauso ist für mich der Titel des Albums zu verstehen, ein Sample das man einwirft und nicht gleich die passende Antwort mit liefert. Insofern könnte man euch ja vorwerfen, dass ihr euch einfach damit schmückt, mit diesen Floskeln und Zitaten. Martin: Es ist eine Interpretationshilfe. Das heißt aber nicht, dass ich keine Meinung dazu habe. Es sind vielmehr Bilder Eher so Impressionen? Flo: Ja genau, Momentaufnahmen. Dann haben die Titel ja auch genau genommen nichts mehr mit den Songs zu tun? Das ist dann für Euch das Etikett, das ihr draufklebt, damit ihr es wieder erkennt oder damit ihr es dann weglegen könnt oder auf die CD packen. Martin: Das stimmt schon so, aber wie gesagt, Titel und Song sind für sich Samples die korrelieren auch mit einander ohne direkten Bezug. Wo kommt es her, dass ihr die Sachen immer so verkürzt? Also bei SDNMT oder beim Albumtitel auch. Man könnte meinen, so eine Art Komprimierung, schon wieder – digital. Martin: Zum einen ist es eine ästhetische Sache. Da geht es viel um das Herauszoomen und Fokussieren. Der Name steht dann für eine Band, die kann man ganz oberflächlich erfassen und die macht auch irgendwie so Musik, aber die kann Dann steht halt Seidenmatt da. Losgelöst von der eigentlichen Bedeutung. Flo: Wir haben uns geeinigt, dass die ausgesprochene Variante �”Seidenmatt ist und die geschriebene halt die kürzere Version. War mal so ne Idee von uns. Matthias: Man hört auch oft genug, z. B. bei Konzerten: ziemlich bekloppter Name für so ne gute Musik.�” Martin: Man kann jetzt im Nachhinein in den Namen reininterpretieren, dass es was mit der Musik zu tun haben sollte, aber im Endeffekt ist er halt ein Relikt aus der Ursprungszeit der Band. Flo: Und wie du gerade schon gesagt hast, finde ich dass wir den Punkt erreicht haben, an dem der Name schon völlig vom Sinn abgekoppelt ist. Man einfach nicht mehr nachfragt, was es jetzt heißt: �”Seidenmatt, oder es sich auf der Zunge zergehen lässt. Sondern dass es einfach mit der Band an sich, also mit uns vieren bzw. mit unserer Musik assoziiert wird. Matthias: Wir haben ja auch keinen Gesang. Es gab auch schon viele Interpretationsansätze. Es war auch mal eine Idee von der ästhetischen Erscheinung zur Erklärung zu kommen. Einfach Vokale wegzulassen, und damit darauf zu verweisen, dass nichts gesprochenes mehr dabei ist. Dann kommt der Name also aus dem Bauch und erst danach wird er mit Bedeutung gefüllt. Wo kommt dann Seidenmatt-Musik her? Flo: Aus dem Herzen! Und dabei geben wir damit anscheinend immer Information über uns weiter, ohne das bewusst zu wollen. Matthias: Kein eindeutiges Statement zu haben, heißt nicht nichts ausdrücken zu wollen. Und ohne Gesang öffnen wir unsere Musik noch zusätzlich für Interpretationen. Wenn niemand genau weiß, wo oben und unten ist – das mag ich an Musik. Flo: Manchmal hat man so ein Gefühl und erst im Nachhinein dafür eine Erklärung und dann kommen Leute, die dasselbe denken und es vielleicht sogar besser auf den Punkt bringen können. Eure Musik verlässt die gewöhnlichen, bekannten Songstrukturen. War das auch eine bewusste Entscheidung oder ist es wieder ein weiteres Indiz dafür, dass das alles eher so organisch aus dem Körper herauskommt ob nun Herz oder Bauch? Martin: Also es ist ja nicht so, dass unsere Musik irgendwie revolutionär anders wäre, sie hat ja schon Elemente der klassischen Popmusik. Unsere Musik besitzt Teile, die sich wiederholen, die man innerhalb eines Songs wieder erkennt und die eine größere Spannung haben, als andere Teile, also im Prinzip refrainartig sind, das herkömmliche trotzdem auch wieder verlassen. Allein dadurch, dass es Instrumentalmusik ist, wird ja gefordert, dass es keine Popsongstruktur besitzt. Wir sind also irgendwie eine Mischung daraus. Flo: Ich finds nicht richtig strukturlos. Ich finde es ist gerade das, was uns ausmacht, dass wir so diese Mischung daraus sind. Wir sind ja auch keine Instrumentalband, wie es sie auch gibt, so Kunstbands, die sich auch bewusst dagegen entscheiden, bewährte Strukturen zu benutzen. Das sind wir dann gar nicht. Wir stehen dadurch auch ein bisschen in der Mitte. Martin: Wir benutzen gerne musikalische Zitate, aber auch nur soweit dass es etwas andeutet, das ist mir sehr wichtig. Dazu benutzt ihr zum Beispiel Samples, oder spielt Sachen an. Martin: Ja so wie im ersten Song, der einen klassischen Rockpart hat, der den Brake überspielt. Das ganze erscheint ziemlich banal. Es ist aber ein Zitat aus dem klassischen Rock. Und dann wird es gebrochen durch ein totales Dudelding. Es sind Zitate, die ich mag. Es ist so eine Art Sammeln. Ich meine der Song könnte auch peinlich sein, wenn man den richtig, also mit dem Riff anfangen würde und irgendwie jedes Brake sauber spielen und irgendwie am Ende weißt du was ich meine? Das wir dann zu dem Punkt kommen, wo ich sagen könnte, dass man mit demselben Material auch ganz andere Sachen machen könnte. Ich hab jetzt nur noch ganz coole Fragen: Wenn Ihr eure Musik irgendwie mit einer Fernsehserie vergleichen oder gleichsetzen müsstet, welche Fernsehserie wäre das dann? Martin: Abgesehen davon dass ich keinen Fernseher habe, ist das wirklich ne gute Frage. Ihr habt keinen Fernseher? Dann kann ich mir das ja im Artikel ausdenken. Allgemeines Gelächter. Sucht euch einfach eine aus. Flo: Ich überleg noch. Vielleicht fällt mir ja (Weil ich weiß dass Flo gerade einige Staffeln am Stück gesehen hat:) Friends darf es jetzt nicht sein. Lachen. Ihr könnt ja darüber nachdenken und schickt es mir einfach per Mail. Flo: Auf jeden Fall müssen wir noch mal darüber nachdenken, ich würde am liebsten ne coole Fernsehsendung nennen, Mir ist vorhin im Zug diese Parallele eingefallen, dass Fernsehserien ja durchaus auch zitieren. Andere Serien, usw. Dann diese Serienentwicklung in den USA mit Spin-offs usw, auch als Teil der Popkultur. Serien entwickeln sich ja gemeinsam mit der Rock- und Popmusik. Und es gibt immer wieder Querverbindungen. Serien, die direkt Musik beeinflusst haben, wo auch Musikerinnen vorkamen und umgekehrt. Jetzt hier zum Beispiel dieses Weezer Buddy Holly�”-Video aus �”Happy Time, so hieß die Serie. Aus dem allgemeinen Gemurmel heraus: Wunderbare Jahre. Wunderbare Jahre�” diese 70er Serie. Jemand aus der Band: Die 70er, die wurden glaub ich in den 80ern gedreht und spielen auch über die 60er. Wo so ein Junge am Anfang Ist da so ein rothaariges Mädchen dabei? Seine Freundin, ist die rothaarig? Flo: Du meinst jetzt glaub ich, �”Willkommen im Leben. Lachen Flo: Mit ..ähm.. mit ähm.. Ich kenn mich doch nicht aus. Lachen. Scheiße. Martin: Willkommen im Leben�”. Und du willst keinen Fernseher haben? Flo: Es gab Willkommen im Leben�” mit Claire Danes und diesem anderen hübschen Typen. Dann noch der hat in Fight Club mitgespielt Es geht um die Highschool-Zeit. Und dann war da noch Wunderbare Jahre�”, so eine kurze Serie. Es fing mit so einem 8-mm-Film an. Amerika in den 60 er Jahren. Gerade ein tolles Auto, gerade den ersten Fernseher. Ist es dieser kleine Junge? Flo: Der kleine Junge, der Mit der Stimme von scheiße Matthias: Ein bißchen lockig. Ja genau. Flo: In jeder Episode wird eine Geschichte aus seiner Jugend erzählt. An die Kindheit, an die er sich erinnert. Ja genau! Das war die Stimme von Tom Selleck, Magnum�”. Jedenfalls diese deutsche Erzählerstimme war die Magnum�”-Stimme. Flo: Die Serie war auf jeden Fall toll. Matthias: Jo. Ich hab ja auch die ganze Zeit vorher schon überlegt. Und ich hab irgendwie an Hooker oder so gedacht. Matthias: TJ Hooker? TJ Hooker, ja. Das war auch so ein Bauchding, damit haben wirs ja heute. Das könnte ich jetzt auch nicht so groß erklären. Martin (fragt jemanden aus dem Sinnbus-Büro): Fällt Dir eine Serie ein? ach du hast gar nicht zugehört. Kennst Du eine Fernsehserie, die so ist wie Seidenmatt? Wirres Durcheinander. Irgendjemand: Ich würde mich mit �”Mork vom Ork vergleichen. Auf dem Band ist kaum noch etwas zu verstehen. Vielleicht 24�”? Wieder wirres Durcheinander. Splittscreens, alles in Echtzeit erzählt. Er hat 24 Stunden, um die Welt zu retten und jede Folge dauert eine Stunde. Martin: Hab ich noch nie gesehen. Ich hab es auch wirklich noch nie richtig gekuckt. Beim Durchschalten mal eine Folge hängen geblieben. Ist auf jeden Fall auch sehr sampelig, sehr modern. Flo: Es ist auf jeden Fall was für Euch Medienwissenschaftler. Ja, wir sind ganz heiß auf solchen Scheiß. |









