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UNTERHALT MICH, BABY!
PER ANHALTER DURCH DIE GALAXIS
deef, Juni 18, 2005 - Abgelegt unter: Pop

Bevor ich den Film „Per Anhalter durch die Galaxis” gesehen hatte, kündigte ich Nico von JACKPOT BABY! an, dass mein Review ein totaler Verriss würde. „Und ich werde alle beschimpfen, die sich erst jetzt mit Douglas Adams auseinandersetzen, nun aber meinen, mitreden zu können,” mailte ich ihm. Doch es sollte ganz anders kommen.

Das Wort ist leider ausgelutscht, aber hier passt es zur Abwechslung wirklich: „Per Anhalter durch die Galaxis” ist KULT. Die fünfbändige  Buchtrilogie (!), die Hörspiele, die BBC-TV-Serie – das sind die göttlichen Hinterlassenschaften die Autor Douglas Adams der Welt schenkte. Wenn Du zu den Menschen gehörst, die erst jetzt auf das Thema aufmerksam geworden sind, Du mit der 42 oben nichts anfangen kannst und Dich fragst, ob Du den Film sehen solltest, dann hier die Kurzfassung: Du wirst die unzähligen kleinen Genialitäten nicht verstehen, den Film aber trotzdem ganz lustig finden. Ok? Gut, dann bis denn dann. TSCHÜSS!

Euch anderen brauch ich ja nichts über die 42 zu erzählen. Hier der Fan-Review mit kleinen Spoilern. Wir hatten guten Grund, das Schlimmste zu erwarten. Wir haben über zwei Jahrzehnte auf diesen Film gewartet. Wir haben die Bücher verschlungen, die Hörspiele geliebt und wir saßen sabbernd vor der Fernsehserie. Wie können wir erwarten, dass heute ein guter „Per Anhalter”-Film erscheint? Es war damit zu rechnen, dass die wirren Details, die den Adams-Style ausmachen, weggelassen, verstümmelt und hollywoodisiert werden. Überraschung: alles ist besser als erwartet!

Die Rollen sind gut besetzt. Teilweise sogar besser als in der BBC-Serie. Sam Rockwell, der schon in der ersten Regiearbeit von George Clooney, „Confessions of a dangerous mind”, begeisterte, ist der perfekte Zaphod Beeblebrox (zumindest, wenn man sich diesen Charakter schrill vorgestellt hat und nicht so chauvi-lässig, wie ihn Klaus Löwitsch im Hörspiel sprach). Der grobe Schnitzer der BBC, Trillian als blonde Sexbombe zu zeigen, wird im Film glücklicherweise nicht wiederholt. Sie wird von Zooey Deschanel gespielt. Wer sich erinnert, Zooey spielte in „Almost Famous” die schnuckelige Schwester des Jungen, der zum ersten Mal für den ROLLING STONE schreibt. Der fast unbekannte Martin Freemann macht als Arthur Dent einen guten Job, ebenso wie Rapper Mos Def als Ford Prefekt. Guter Job, das klingt noch nicht nach einem wirklich geilen Film. Warum bin ich so begeistert?

Es sind ein paar Details, die mir ganz subjektiv den Kick geben. Also passt auf. Die BBC-Serie war – das muss man zugeben – unglaublich billig gemacht. Aber sie hatte eine hammermässige Introsequenz, bei der ein Astronaut durch den Schriftzug „The Hitchhiker’s Guide To The Galaxy” aus goldbemalten Styroporbuchstaben flog. Dazu donnerte geile 80er-Synthiemucke. Als ich nun im Kino saß, war ich zunächst enttäuscht, denn der Film beginnt ganz entspannt ohne STARWARS-mäßige Titel-Bombastik. Doch dann… DANN KOMMT ZUM ERSTEN MAL DER REISEFÜHRER „PER ANHALTER DURCH DIE GALAXIS” INS BILD UND…
Brauche ich noch zu sagen, welche Musik dazu erschallt? Danke an Regisseur Garth Jennings dass er die BBC-Mucke neu einspielen ließ. Gänsehaut pur!

Der Film hat für Fans noch weitere Schmankerl parat. Anfang der 80er zeigte die TV-Serie die Erklärungen des Reiseführers in der Grün-auf-Schwarz-Grafik damaliger DOS-Systeme. Das war der Shit von dem wir C64- (bzw. KC87-)Kids geträumt hatten. Der Kinofilm zeigt die zeitlich angepasste Ausgabe des „bemerkenswertesten Buches der Galaxis”. Neuerdings verfügt der Reiseführer über Spracherkennung und gibt seine Erklärungen in gelungener Flash-Ästhetik aus.

Dagegen habe ich sehr missbilligt, dass Marvin, der depressive Roboter, kugelrund und mit grünen Augen daher kommt. Dabei ist durch Buch und TV-Serie klar: er ist eckig und hat rote Augen. JA, hier geht es um Nuancen! Aber der Kinofilm versöhnt mich mühelos wieder. Denn in einer Szene, in der die Protagonisten einen Raum voll verschiedener galaktischer Wesen betreten, steht mir nichts dir nichts der alte eckige Marvin als Statist in der Menge. Das sind die liebevollen Details, die wir brauchen! Und das tröstet darüber hinweg, dass der Film die Story extrem komprimiert, an anderer Stelle ausbaut (die Rolle der Vogonen z.B.) und manches dazudichtet. Aber es geschieht mit Sorgfalt und Stil, wenn auch nicht alles nötig gewesen wäre. Da man als Anhalter-Fan den Film sowieso gesehen haben muss, rate ich, mit wenig Erwartungen ins Kino zu gehen. Dann wird man, wie ich, begeistert sein. Also, keine Panik, Leute!

PS: Die zugehörige Moviehomepage ist großes Tennis!
In der Reihe “Unterhalt mich, Baby!” lässt Deef in regelmässigen Abständen exklusiv seinen Filmkonsum für Euch Revue passieren. Wenn ihr mehr von ihm lesen wollt, dann nehmt am Besten gleich einen tiefen Schluck aus seiner Gefühlskonserve.

 

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