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STURMBAHN, SCHIESSEN, EXERZIEREN.
ERINNERUNGEN AN DIE WEHRLAGER DER DDR
guido, August 14, 2007 - Abgelegt unter: Comic und Illustration, Der ganze Rest

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Eigentlich bin ich davon überzeugt, dass meine Kindheit eine glückliche gewesen ist. Und dann stosse ich beim Aufräumen auf alte Comics, die fast zwei Jahrzehnte auf dem Buckel haben. Neben den für Jungs in der Pubertät wohl leider üblichen Fäkal- und Furzwitze-Sachen tummeln sich darin auffallend viele Pionierhemden und Uniformen.
Mit dem Abstand betrachtet, den die Zeit und ein neues Gesellschaftssystem mittlerweile gebracht haben, wirken meine alten Comics heute alles andere als komisch. Ein gruseliges Gefühl beschleicht einen, wenn man zurückdenkt und sich klar macht, was wir da eigentlich mit uns haben machen lassen, in der DDR, als Kinder.
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Die Rede ist von den Wehrlagern, in die fast jeder männliche Schüler der neunten Klasse für zwei Wochen geschickt wurde.
Darin wurde den Jungs alles beigebracht, was ein Soldat im Krieg draufhaben muss, um im Falle eines Falles den USA und ihren Verbündeten der BRD so richtig einheizen zu können. Wie man zum Beispiel eine KK-Mpi 69 auseinandernimmt, lädt, beim Überqueren von Flüssen vor dem Wasser schützt und wie man sie abfeuert. Mit scharfer Munition, Einzel- und Dauerfeuer. Das war kein Spass. Die Munition war echt. Man kann sagen, dass einige von uns noch nicht mal Haare am Sack hatten, jedoch schon blaue Schultern von den Rückschlägen der Maschinenpistolen.

Im Wehrlager war richtig Armee angesagt: Ausgebildet wurde von Offiziersschülern und Reserveoffizieren der NVA. Die persönliche Habe der Kinder wurde täglich kontrolliert. Kontakt zu den Eltern war nicht erwünscht. Drei Minuten nach Sechs Uhr war Frühsport in Form von Tausend-Meter-Läufen Pflicht. Am Wochenende patrouillierten Polizisten vor’m Gelände, um das Hineinschmuggeln von Zigaretten zu unterbinden. Ein paarmal haben wir wegen irgendwelchen Kleinigkeiten bis zum Einbruch der Dunkelheit im Kreis Strafexerzieren müssen.

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Zum Glück ist das vorbei. Trotzdem riefen die alten Zeichnungen meine Neugierde hervor. Ich wollte wissen, wie das Lagergelände nach all den Jahren aussieht und bin einfach mal hingefahren:

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Das Eingangstor. Damals gut bewacht. Während des Ausbildungszeit kam man hier nur im Gleichschritt raus und rein, wenn es zu Übungen in den Wald ging.

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Das waren einmal unsere Schlaf- und Aufenthaltsräume. Acht Mann auf einem Zimmer.

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Die Speisesaal-Baracke. Von dem Essen bin ich nie satt geworden. Jeden Abend hatte hier auch eine kleine Verkaufsstelle geöffnet, in der wir täglich einen Kasten Brause pro Zimmer erwerben durften.

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Ein oder zwei gute Geschichten aus der Wehrlagerzeit könnt Ihr sicher in meinen Memoiren lesen, irgendwann.

 

11 Kommentare »

  1. Hatten Eure Schlaf- und Aufenthaltsräume keine Dächer? :-)

    Kommentar von Punkr, August 14, 2007

  2. Hui, wenn man nach den Verfallgrad geht, sind Sie verdammt alt…

    Kommentar von Jimmy Lightning, August 14, 2007

  3. Wenn’s nur der Verfall wäre. Das Gelände liegt für Jedermann offen und wurde von Vandalen ziemlich übel zugerichtet.

    Kommentar von guido, August 14, 2007

  4. vandalen werden einmal alles zugrunde richten.

    Kommentar von nico, August 17, 2007

  5. Hallo,
    habe selber vier Mal Wehrlager hinter mir und in keinem solche beschriebenen Zustände.
    Und wenn Du mit 15-16 Jahren noch keine Haare am Sach hattest bist ein Spätentwickler. Die Wehrlager waren nämlich während der Berufsausbildung und da war mann so ca. 15 bis 16 Jahre.Und es hieß auch GST-Lager.

    Kommentar von Andreas, Februar 6, 2008

  6. Die Wehrlager fanden während der Schul- UND Berufsausbildung statt.
    Du warst sogar VIERmal drin? Bist Du ein paar mal sitzengeblieben?

    Kommentar von guido, Februar 6, 2008

  7. kennste eins kennste alle?

    Kommentar von nico, Februar 6, 2008

  8. Kontakt war zu den Eltern möglich – über Briefe.

    Kommentar von Tom, Januar 22, 2009

  9. wir hatten sogar frauenbesuch—über nacht

    Kommentar von ringo, Februar 1, 2009

  10. Gibts noch jemanden vom letzten Wehrlager in Truckenthal?

    Kommentar von Christian, März 23, 2009

  11. Sehr gute Beschreibung! War in Wilhelmstal bei Eisenach, wollte auch schon immer mal nachsehen, was aus dem Lager geworden ist. Und das GST Lager hatte mit dem Wehrlager nix zu tun, war viel später in der Berufsschule. Wehrlager gabs in der 9. Klasse. Grüße, Sven

    Kommentar von Sven, April 6, 2009

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