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BERICHTERSTATTUNG IM TAGESSPIEGEL
UND DIE PREALITäT
nico, Juni 14, 2007 - Abgelegt unter: Der ganze Rest

Aus irgendeinem Grund sind für Journalisten Pressesprecher und PR-Agenturen inzwischen glaubwürdiger als Kollegen oder gar die eigene Redaktion. Jüngstes Beispiel die Berichterstattung im Berliner Tagesspiegel über die Proteste gegen die neue Parkordnung in Potsdam am vergangenen Sonntag.

Am selben Abend berichtet man dort online sachlich richtig:

“… Die Proteste gegen die neue Parkordnung der Schlösserstiftung in Potsdams historischen Parkanlagen nehmen zu. Gestern folgten 120 vor allem junge Potsdamer einem öffentlichem Aufruf zu zivilem Ungehorsam und trafen sich ab 15 Uhr zu einem Picknick auf einer Wiese im Park Sanssouci. Die Aufforderung von Parkwächtern, sich zu entfernen, ignorierten sie. Daraufhin rief das Sicherheitspersonal die Polizei, die mit zwei Beamten erschien. Diese weigerten sich jedoch, einzuschreiten unter Verweis auf Verhandlungen zwischen Polizeipräsidium und Stiftungsleitung. …”

Der Autor der oberen Zeilen, Henri Kramer, titelt in den Potsdamer Neuesten Nachrichten, der Schwesterzeitung der Tageszeitung noch:

Und ergänzt im Text:

“… Kurz nach Aktionsbeginn erschienen zwei Parkwächter der Stiftung, dazu mehrere Mitarbeiter. Die Drohung, dass die Stiftung ihr Hausrecht durchsetzen werde, quittierten die Protestierer mit Klatschen. Daraufhin verständigten die Sicherheitsleute die Polizei. Allerdings sahen sich die zwei eintreffenden Polizisten nicht zum Eingreifen berechtigt …”

Die Märkische Allgemeine Zeitung berichtet dazu konkreter:

“… Mehrere Mitarbeiter der Sicherheitskräfte der Stiftung forderten die Versammelten auf, die Wiesen zu verlassen und die Hunde anzuleinen. Als dem Aufruf nicht nachgekommen wurde, riefen die Sicherheitskräfte die Polizei. Die beiden Beamten wurden von den Stiftungsmitarbeitern aufgefordert, die Personalien der Initiatoren festzustellen und die Rasenflächen zu räumen. Während die Beamten die Entscheidung aus dem Präsidium abwarteten, kam es zu teilweise aufgeregten Diskussion der Aktionsteilnehmer mit dem Direktor der Generalverwaltung der Stiftung, Heinz Berg. …”

Beide Journalisten waren vor Ort. Ganz im Gegensatz scheinbar der/die Tagesspiegel-Kollege/in mit dem Kürzel “Ste”, der am folgenden Tag nach einer Unterredung mit der Pressesprecherin der Stiftung Preussische Schlösser und Gärten, Elvira Kühn, folgendes veröffentlicht:

Zwei Drittel der Gruppe habe den Aufforderungen des Ordnungsdienstes der Stiftung Folge geleistet und die Wiese am Schloss Charlottenhof nach kurzer Zeit freiwillig verlassen. „Eine Räumung durch die Polizei sei nie in Erwägung gezogen worden“, sagte Stiftungssprecherin Kühn. Zwei herbeigerufene Beamte hätten sich nur einen Überblick verschaffen wollen. Die Parkwächter der Stiftung hielten sich ebenfalls zurück und verzichteten darauf, ein Bußgeld zu erheben. …”

(Hervorhebungen: ich)

Ganz klare Unwahrheiten, die sowohl die oben zitierten Kollegen als auch ich als Augenzeuge wiederlegen können. Und das alles am Tag, an dem sich der Generaldirektor der Stiftung, Hartmut Dorgerloh, auf einer Pressekonferenz zur Bilanz der neuen Parkordnung (und deren Akzeptanz) äußern sollte. Und die fiel dann, ebenfalls laut Tagesspiegel auch im Großen und Ganzen positiv aus:

“Für den bisherigen knapp achtwöchigen Einsatz der Parkwächter zog Dorgerloh eine positive Bilanz. Die Bekanntheit und Akzeptanz der Parkordnung habe seither deutlich zugenommen. Und: „Die Ordnungskräfte werden weitgehend akzeptiert.”

Was für eine Überraschung.

 

5 Kommentare »

  1. WIE DREIST aber auch von der stiftung, solche lügen zu verbreiten!

    KEINE EINZIGE person ist der aufforderung nachgekommen. warum auch?

    Kommentar von hannes, Juni 14, 2007

  2. übrigens:

    “Die Festigkeit besteht im Widerstand gegen das Unglück, nur Feiglinge entwürdigen sich unter dem Joche, schleppen geduldig ihre Ketten und ertragen die Unterdrückung.”
    (Friedrich der Große)

    Kommentar von hannes, Juni 14, 2007

  3. Arschlöcher. Aber wirklich.

    Kommentar von Marcus, Juni 14, 2007

  4. Vielen Dank für die Blumen :-) Die Video-Reporter der MAZ waren übrigens auch im Babelsberger Park und haben mit der Bürgerinitiative gesprochen, allerdings an einem anderen Tag. In einem anderen MAZvideo kommt Gartendirektor Rohde zu Wort. Jeweils sehr interessante beiträge zum Thema. Alle MAZvideos bei MaerkischeAllgemeine.de/video

    Kommentar von Henrik, Juni 15, 2007

  5. hey mazvideo hab ich abonniert, einer der besten videocasts des landes. wirklich. von der printausgabe bin ich weniger begeistert. aber mazvideo kann ich nur empfehlen.
    die babelsberger initiative ist inhaltlich viel weiter, aber das wird bei den anderen auch noch kommen.

    Kommentar von nico, Juni 15, 2007

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