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FESTUS, KLEINER MANN MIT GROSSEM BART
ZUM WELTNICHTRAUCHERTAG
guido, Mai 31, 2007 - Abgelegt unter: Der ganze Rest

Festus wurde uns vorgestellt, da war er gerade mal Mitte Zwanzig und wir nur ein Haufen Lümmel von der ersten Bank, die ihre Pubertät noch vor sich hatten.
Das also sollte unser neuer Klassenlehrer sein. Gerade mal einen Kopf grösser als wir. Und im Gesicht ein dicker schwarzer Bart. Vor Männern mit Bärten haben Kinder ja normalerweise Angst – jedoch nicht, wenn dieser Mann gerade mal einen Meter Sechzig misst. Bei seinem Anblick rief der schüchternste Junge unter uns sofort: “Der sieht ja aus wie Festus!” Alle lachten und unser neuer Klassenlehrer hatte seinen Spitznamen weg: Festus. Wie der Hilfssherriff aus der Fernsehserie “Rauchende Colts”.

Er sollte es nicht leicht mit uns haben. Wir waren wirklich schlimme Rabauken. (Siehe: Wie wir unseren Musiklehrer mit Handschellen an eine Schulbank schlossen, und andere schlimme Dinge.) Ich erinnere mich sogar daran, wie unser Jahrgangsstärkster und späterer Bezirksmeister im Weitwurf von Irgendwas ihn einmal in der Turnhalle zur Seite nahm und kurz verdrosch. Doch im Laufe der Jahre haben selbst solche kleinen Arschlöcher wie wir lernen müssen, dass Festus eigentlich ein feiner Kerl war. Nicht ein einziges Mal hat er uns an den Direktor verpfiffen oder grundlos unsere Eltern angerufen. Geduld und Fairness waren sein Rezept.

Auch wenn Festus seine Truppe am Anfang überhaupt nicht in den Griff bekam, verschaffte er sich doch bis zum Ende meiner Schulzeit gehörigen Respekt bei uns, der zum Schluss fast in schon in Freundschaft mündete.
Als wir ihm auf unserer Abschlussfahrt heimlich eine Doppelstockbett-Leiter unter der Matratze versteckten, war das ein Spass, über den er mittlerweile gemeinsam mit uns lachen konnte und auf den Balkon ging, um eine gemütliche Pfeife mit Vanilletabak drüber zu paffen.

Festus rauchte viel und gern. Kaum eine Unterrichtspause verging, in der er sich nicht in den Heizungskeller verdrückte und eine durchzog. Seine Finger waren dunkelgelb, stets roch er nach Zigaretten.
Das Rauchen hat ihn schliesslich auch unter die Erde gebracht. Der Kehlkopf. Mit knapp vierzig Jahren.
Manchmal wünsche ich mir, wir hätten ihn nicht immer so geärgert. Vielleicht hätte er sich dann die ein oder andere Zigarette erspart.

 

1 Kommentar »

  1. Ach der arme Festus…

    Kommentar von Ulrike, Mai 31, 2007

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