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Mein Büro ist ganz toll. Die Kollegen sind nett, mein Chef kompetent, meine Bürozeiten passen sich mir an und nicht umgekehrt und mein Ausblick ist meistens sonnig. Bei soviel Frühling geht der Chef gern barfüssig. Sonst trägt er Finken. “Finken” ist der Schweizer Begriff für Hausschuhe oder Schlappen oder Latschen. Ich mag weder das eine noch das andere, trage im Privaten aber selber welche, um meine Nierchen zu schonen. Über die Leute, die auch im Büro aussehen wie nach dem Feierabend, hab ich mich bisher lustig gemacht. Nie wäre ich auf die Idee gekommen, meine Füsse im Büro zu belüften. Schon weil sie meistens kalt sind. Aber viel gravierender ist, dass Hausschuhe einen Look komplett zerstören. Das hat mich bei den Anzug tragenden Bürohengsten mit Latschen schon gestört. Kann die jemand ernst nehmen?
Bei mir im Büro tragen übrigens alle Latschen. Ich dachte, das gehört bestimmt dazu, zum Berufsbild vielleicht. Ein Freund hat mich gern gefragt, ob ich mir schon Birkenstock gekauft habe. Hatte ich aber nicht und ich hab ihm stolz meine schönen Schuhe gezeigt und gefragt, wieso ich Finken tragen sollte, ich hätte doch schicke Stiefel. Er war der Ansicht, das komme dann schon mit der Zeit und ich würde nach einer Weile sicher auch auf eine Frisur verzichten. Ich habe mit dem Fuss auf den Boden gestampft und ihn für bescheuert erklärt.
Um es kurz zu machen: Hausschuhe sind nicht einfach eine Marotte von Journalisten. Nachdem ich drei Wochen die Stiefel nicht ausgezogen hatte, fragte mein Chef: Du, wäre es möglich, dass Du Dir vielleicht eventuell ein paar Finken zulegst, um das Parkett zu schonen? Ich: Wenn es sein muss. Mehr habe ich dazu nicht gesagt, sondern mir am nächsten Tag die Stiefel aus und ein paar Turnschuhe angezogen, als Kompromiss und um nicht gleich klein beizugeben. Mittlerweile ist der Frühling ausgebrochen. Ich habe bei Dosenbach, dem Schweizer Deichmann-Pendant, zwei paar Finken gekauft für je 9 Franken. Ist einfach zu warm. Und um den Look nicht zu zerstören, trage ich erst gar keinen.
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